literapedia bern
Das Lexikon der Berner Schriftstellerinnen
und Schriftsteller

Kopp, Hans W.: Unterschied zwischen den Versionen

Aus literapedia bern
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
K (Textersetzung - „== Weblinks UB Bern ==“ durch „== Bestände UB Bern ==“)
 
(7 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
[[Datei:KoppSolothurn2.jpg|thumb|Hans W. Kopp mit [[Elisabeth Kopp]]]]
'''Hans W. Kopp''' (''Hans Werner Kopp''; * 12. Juni 1931 in Luzern; † 25. Januar 2009 in Zürich) war ein Schweizer Rechtsanwalt und Medienexperte.
[[Datei:Kopps.1984.jpg|thumb|Das Ehepaar Kopp nach der Bundesratswahl 1984]]
<!--schweizbezogen-->'''Hans W. Kopp''' (''Hans Werner Kopp''; * [[12. Juni]] [[1931]] in [[Luzern]]; † [[25. Januar]] [[2009]] in [[Zürich]]) war ein [[Schweiz]]er [[Rechtsanwalt (Schweiz)|Rechtsanwalt]] und Medienexperte.


Hans W. Kopps Vater war der Luzerner Stadtpräsident [[Paul Kopp]]. Er studierte an der [[Universität Zürich]] und der [[University of Michigan]] [[Rechtswissenschaft|Jurisprudenz]]. 1957 [[Promotion (Doktor)|promovierte]] er mit der Höchstnote ''[[summa cum laude]]''. Schon in seiner Studentenzeit engagierte sich Kopp in [[Antikommunismus|antikommunistischen]] Organisationen und gründete Mitte der 50er Jahre selber die Organisation «14/39» (Weitere Mitglieder waren [[Peter Studer]], [[Niklaus Meienberg]] und [[Ulrich Bremi]]). Von 1963 bis 1973 war Kopp Präsident der antikommunistischen Organisation ''Schweizerischer Aufklärungsdienst (SAD)''.
== Persönlicher Beitrag ==
 
Die Schweiz weiss längst mehr über mich, als ich selbst. (ca. 1994)
Von 1960 an war Kopp als Wirtschaftsanwalt mit eigener [[Anwaltskanzlei|Kanzlei]] in Zürich tätig. Er war in der Zürcher Wirtschaftswelt gut vernetzt und hatte zeitweise 50 [[Verwaltungsrat (Schweiz)|Verwaltungsrat]]smandate inne. Ausserdem war er von 1966 bis 1980 [[Lehrbeauftragter]] an der Universität Zürich.<ref>Hans W. Kopp: ''Information in der Demokratie: Bausteine einer Medienpolitik''. [[Benziger]], Zürich 1976, ISBN 3-545-37090-9.</ref> Als Referent beteiligte sich er auch an medienpolitischen Seminaren für [[Regierungsrat (Schweiz)|Regierungsräte]]. Im [[Schweizer Fernsehen]] [[Moderator (Beruf)|moderierte]] er von 1974 bis 1980 die medienpolitische Sendung «Fernsehstrasse 1–4». Von 1978 bis 1984 präsidierte er die «Eidgenössische Expertenkommission für eine Mediengesamtkonzeption». Kopp gehörte der [[Freisinnig-Demokratische Partei|FDP]] an. In der [[Schweizer Armee]] bekleidete er den Rang eines [[Oberst]]s im Generalstab.
 
1960 heiratete er [[Elisabeth Kopp]], die ebenfalls Juristin war. Auf seine Ermunterung kandidierte 1970 erfolgreich für den [[Gemeinderat (Schweiz)|Gemeinderat]] von [[Zumikon]].<ref>Elisabeth Kopp: ''Briefe''. Benteli Verlag, Bern 1991, ISBN 3-7165-0830-6.</ref> Sie wurde 1974 die erste [[Gemeindepräsident]]in der [[Deutschschweiz]] und 1979 [[Nationalrat (Schweiz)|Nationalrätin]]. Als sie 1984 von ihrer Partei als Bundesratskandidatin nominiert wurde, kamen Gerüchte über ihren Mann auf, die Niklaus Meienberg in der [[Die Wochenzeitung|Wochenzeitung]] und [[Karl Lüönd]] in der [[Züri-Woche]] kolportierten. Es ging um angebliche sexuelle Übergriffe und Verwicklungen beim Bankrott der Firma Trans-K-B. Die Öffentlichkeit und weite Teile der Politik empörten sich über die negative Berichterstattung, und das Parlament wählte Elisabeth Kopp zur [[Bundesrat (Schweiz)|Bundesrätin]].
 
Hans W. Kopp wurde 1988 des Steuerbetruges beschuldigt, den Behörden wurde Mittäterschaft unterstellt.<ref>[[Der Schweizerische Beobachter]], 26. August 1988.</ref> Zwei Monate später stellte sich heraus, dass die Anschuldigungen auf Unwahrheiten basierten.<ref>''Korrekt und gesetzmässig''. [[Neue Zürcher Zeitung|NZZ]], 27.  Oktober 1988.</ref> Am gleichen Tag erfuhr Frau Kopp, die kurz davor einen Gesetzesartikel zur [[Geldwäscherei]] vors Parlament brachte, über Drogengeldwäscherei-Anschuldigungen gegen die Firma Shakarchi, in der ihr Mann Führungsposition hatte – die ursprüngliche Quelle war eine nahöstliche Fernsehsendung.<ref>[[24 heures]], 1. September 1988.</ref> Später behauptete [[Roger Köppel]], dass  «alles erfunden worden ist»<ref>''Politik: doch Männersache?'' [[Club (Fernsehsendung)|Club]], [[Schweizer Fernsehen]], 28. November 2006.</ref>, was man im Fall Shakarchi als Anschuldigung publiziert habe. Um neuen Angriffen auszuweichen, rief die Bundesrätin ihren Ehemann an und bat ihn, die betroffene Firma zu verlassen.<ref>''[[Elisabeth Kopp – Eine Winterreise]]''. Dokumentarfilm von [[Andres Brütsch]], Topic Film und Schweizer Fernsehen, 2007.</ref> Daraufhin trat Has W. Kopp von seinem Verwaltungsratsmandat zurück. Bereits eine Woche davor stellte er einen Austritt aus der Shakarchi in Aussicht, falls die Gerüchte sich nicht beruhigten. Er zögerte, weil sein Rücktritt auch als Schuldbekenntnis interpretiert werden konnte, unterschätzte jedoch die politischen Gefahren seines Verbleibens, die dann in der Kampagne zum «Stolperstein» für seine Frau wurden.<ref>Yvonne-Denise Köchli: ''War da was?'' [[Die Weltwoche|Weltwoche]], 27/2003, 2. Juli 2003 ([http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2003-27/artikel-2003-27-war-da-was.html online]).</ref> Die NZZ kritisierte 1994 «Kreise, die hätten dafür sorgen können und müssen, dass Hans W. Kopp die für den Gatten einer Bundesrätin problematischen Verwaltungsratsmandaten nach der Wahl abgebe». Frau Kopp wurde beschuldigt, dass sie ihren Ehemann vor einer Strafuntersuchung gegen ein Unternehmen, in dessen Verwaltungsrat Hans W. Kopp sass, warnte.<ref>''Bundesrätin Kopp selbst hat ihren Mann gewarnt''. [[Tages-Anzeiger]], 10. Dezember 1988.</ref> Infolge dieser Indiskretion ([[Elisabeth_Kopp#Der_.E2.80.9EKopp-Skandal.E2.80.9C|Shakarchi-Affäre]]) trat Elisabeth Kopp aus dem Bundesrat zurück. Ihr Ehemann riet ihr damals, im Amt zu bleiben und abzuwarten, bis die Vorwürfe ausgeräumt würden, was ihr damals unter dem enormen öffentlichen Druck unmöglich schien.<ref> Karin Landolt (Moderatorin): ''Podiumsgespräch mit Elisabeth Kopp''. StadTalk [[Winterthur]], 27. Februar 2007 ([http://stadtalk-podcast.hertzblut.ch/stadTalk_Elisabeth_Kopp_20070227.mp3 online]).</ref> 1990 wurde Frau Kopp von  Amtsgeheimnisverletzung freigesprochen, der Bundesanwaltsvertreter verneinte bereits vorher eine Warnung ([[Begünstigung]]) an Hans Kopp und bestätigte später, dass es im Interesse des Landes lag, «dass der Gatte einer Bundesrätin aus dem Verwaltungsrat einer Firma zurücktrat, die ins Gerede unlauterer Geschäfte kommen mochte, eventuell sogar hätte in eine Strafuntersuchung einbezogen werden können».<ref>[[Werner Furrer]]: ''Die Affäre Schweizer Presse – statt Affäre Kopp'', Info-Public, Basel, 1991, ISBN 3-906459-01-2</ref>
 
Hans W. Kopp wurde 1991 wegen Betrugs beim Zusammenbruch einer Finanzgesellschaft zu einem Jahr Gefängnis mit bedingtem Strafvollzug verurteilt. 1997 verlor er im Kanton Zürich und im Kanton Luzern das Anwaltspatent. Das Ehepaar Kopp wurde jahrelang von der Öffentlichkeit geächtet und kämpfte in der Folge mit wirtschaftlichen Problemen. 1992 zahlte das Medienunternehmen [[Ringier]] Hans W. Kopp 100'000 Franken Entschädigung wegen falschen Anschuldigungen.<ref>''Entschuldigung der Ringier AG bei Hans Kopp'', NZZ, 22. Juni 1992</ref> 1998 entschuldigte sich der [[Tages-Anzeiger]] bei ihm und behauptete, dass die Zeitung weder der Firma Shakarchi noch deren Eigentümer wissentliche Kontakte zur Waffen- und Drogenmafia unterstellen wollte.<ref>''Prozesserfolg Kopps gegen «Tages Anzeiger»''. NZZ, 30. September 1998.</ref>
 
Später, vorwiegend seit der Premiere des biographischen Dokumentarfilms ''«[[Elisabeth Kopp – Eine Winterreise]]»'' von [[Andres Brütsch]], in dem Hans W. Kopp in Bild-Archiven erscheint, beteiligte er sich wieder ein wenig am gesellschaftlichen Leben, auch als ehemaliger Bundesratsgatte ([[Schweizer Bundesfeiertag|1.August-Feier]], Empfang am [[Lucerne Festival]]).<ref>''Polit-Prominenz am Lucerne Festival''. NZZ, 20. September 2008.</ref>


Kopp schrieb Gedichte, die in mehreren Büchern ausgegeben wurden. Ein von [[Hans Erni]] illustrierter Gedichtband erschien 1986.<ref>Hans W. Kopp, Hans Erni: ''Aus der Siebenten Nacht''. Verlag Stocker-Schmid, Dietikon/Zürich 1986, ISBN 3-7276-7071-1.</ref> 2009 erschien eine zweisprachige [[Postum|Postum-Ausgabe]] seines Gedichtbandes «Die Schöpfung» in Deutsch mit der französischen Übersetzung von [[Oskar Freysinger]].<ref>[http://www.editions-xenia.com/pdf/arg/063KoppArgD.pdf Hans W. Kopp: Schöpfung - Création] Zweisprachige Ausgabe, französische Übersetzung von Oskar Freysinger, illustriert von [[Rosemarie Winteler]], Verlag Xenia, Vevey, 2009, ISBN 978-2-88892-063-2.</ref>
== Werke  ==
Kopp schrieb Gedichte, die in mehreren Büchern ausgegeben wurden. Ein von Hans Erni illustrierter Gedichtband erschien 1986: Hans W. Kopp, Hans Erni: ''Aus der Siebenten Nacht''. Verlag Stocker-Schmid, Dietikon/Zürich 1986. 2009 erschien eine zweisprachige Postum-Ausgabe seines Gedichtbandes «Die Schöpfung» in Deutsch mit der französischen Übersetzung von Oskar Freysinger.


Seit der Heirat wohnte Kopp fast 50 Jahre lang mit seiner Frau in Zumikon.<ref>[http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/hans_w_kopp_nachruf_1.1813493.html ''Hans W. Kopp – ein Mann mit vielen Facetten'']. NZZ, 29. Januar 2009.</ref> Das Ehepaar hat eine Tochter.
Seit der Heirat wohnte Kopp fast 50 Jahre lang mit seiner Frau Anna Elisabeth Kopp-Iklé in Zumikon. Das Ehepaar hat eine Tochter.


== Weblinks ==
== Weblinks ==
* {{HLS|46504|Kopp, Hans W.|Autor=Adrian Scherrer}}
* {{HLS|46504|Kopp, Hans W.|Autor=Adrian Scherrer}}
* {{ADS|973}}
* [http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/hans_w_kopp_nachruf_1.1813493.html ''Hans W. Kopp – ein Mann mit vielen Facetten'']. NZZ, 29. Januar 2009


== Einzelnachweise ==
== Bestände UB Bern ==
<references/>
{{AlephLink|Kopp|Hans W.}}
 
{{Normdaten|PND=108348016|LCCN=n/86/094130|VIAF=90773045}}
 
{{DEFAULTSORT:Kopp, Hans W.}}
 
 
 
 
 
 
 
 
 
{{Personendaten
|NAME=Kopp, Hans W.  
|ALTERNATIVNAMEN=Kopp, Hans Werner
|KURZBESCHREIBUNG=Schweizer Rechtsanwalt und Medienexperte
|GEBURTSDATUM=12. Juni 1931
|GEBURTSORT=[[Luzern]]
|STERBEDATUM=25. Januar 2009
|STERBEORT=[[Zürich]]
}}


== Quellen ==
{{Quelle|QUELLE=Wikipedia|DATUM=20.02.2011|TITLE=Hans W. Kopp|REVID=79535301}}
{{Quelle|QUELLE=Wikipedia|DATUM=20.02.2011|TITLE=Hans W. Kopp|REVID=79535301}}


== Weblinks UB Bern ==
{{Normdaten|PND=108348016|LCCN=n/86/094130|VIAF=90773045}}
{{AlephLink|Kopp|Hans W.}}
 
Hans W. Kopp (* 12.6.1931)
 
Beruf: Dr. jur. Rechtsanwalt
 
{{verstecken|Adresse: Drei-Eichen, 8126 Zumikon
Heimatort: Dr. jur. Rechtsanwalt
}}
 
== Persönlicher Beitrag ==
Die Schweiz weiss längst mehr über mich, als ich selbst.
 
== Weblinks UB Bern ==
{{AlephLink|Kopp|Hans W.}}
 
== Quellen ==
<references/>
{{Quelle|QUELLE=BBSS|DATUM=1993}}


[[Kategorie:A_bis_Z]]
[[Kategorie:A_bis_Z]]
[[Kategorie:Autor]]
[[Kategorie:Geboren_1931]]
[[Kategorie:Geboren_1931]]
[[Kategorie:Schweizer]]
[[Kategorie:Schweizer]]
[[Kategorie:Mann]]
[[Kategorie:Mann]]
[[Kategorie:Gestorben_2009]]
[[Kategorie:Gestorben_2009]]
[[Kategorie:Literatur_(Bern)]]
[[Kategorie:Literatur_(Deutsch)]]
[[Kategorie:Literatur_(20._Jahrhundert)]]
[[Kategorie:Lyrik]]
[[Kategorie:Mitglied_AdS]]
[[Kategorie:Quelle_BBSS]]
[[Kategorie:Quelle_Wikipedia]]

Aktuelle Version vom 20. Mai 2015, 15:42 Uhr

Hans W. Kopp (Hans Werner Kopp; * 12. Juni 1931 in Luzern; † 25. Januar 2009 in Zürich) war ein Schweizer Rechtsanwalt und Medienexperte.

Persönlicher Beitrag

Die Schweiz weiss längst mehr über mich, als ich selbst. (ca. 1994)

Werke

Kopp schrieb Gedichte, die in mehreren Büchern ausgegeben wurden. Ein von Hans Erni illustrierter Gedichtband erschien 1986: Hans W. Kopp, Hans Erni: Aus der Siebenten Nacht. Verlag Stocker-Schmid, Dietikon/Zürich 1986. 2009 erschien eine zweisprachige Postum-Ausgabe seines Gedichtbandes «Die Schöpfung» in Deutsch mit der französischen Übersetzung von Oskar Freysinger.

Seit der Heirat wohnte Kopp fast 50 Jahre lang mit seiner Frau Anna Elisabeth Kopp-Iklé in Zumikon. Das Ehepaar hat eine Tochter.

Weblinks

Bestände UB Bern

Quellen