Aktuell 2020-10-12: Literarische Auszeichnungen der Stadt Bern

Urs Mannhart, Li Mollet, Christoph Schneeberger und Maria Ursprung heissen die Literaturschaffenden, die von der Stadt Bern 2020 mit Stipendien unter dem Titel «Weiterschreiben» ausgezeichnet werden. Die edition taberna kritika erhält einen Spezialpreis Vermittlung.

Mit dem Stipendium Weiterschreiben will die Literaturkommission der Stadt Bern Autorinnen und Autoren sowie Literaturvermittelnde aus Bern ermutigen, ihre Arbeit weiterzuführen. In diesem Jahr gehen die mit je 10'000 Franken dotierten Stipendien an die Autorinnen Li Mollet und Maria Ursprung sowie an die Autoren Christoph Schneeberger und Urs Mannhart. Mit einem Spezialpreis von ebenfalls 10'000 Franken wird die edition taberna kritika von Verleger Hartmut Abendschein ausgezeichnet.

Der Schriftsteller Urs Mannhart arbeitete als Velokurier, als Nachtwächter in einem Asylzentrum und als Journalist. Derzeit wirkt er in der biodynamischen Landwirtschaft. Als Reisender pflegt Mannhart den literarischen Journalismus. In seinen Texten vermag Urs Mannhart uns mit wenigen, präzisen Worten die unterschiedlichsten Menschen mit grossem Gespür nahe zu bringen.

Die Autorin Li Mollet notiert, schreibt, seit ihrem vierundzwanzigsten Lebensjahr. Nach dem Studium (Erziehungswissenschaften und Philosophie) unterrichtete sie an einer Fachhochschule und an mehreren Gymnasien. Li Mollet erhält das Weiterschreiben Stipendium für ihre farben- und bilderreichen Texte, in denen sie durch Fragen, Ausprobieren und als feine Beobachterin Denken und Leben in alle Richtungen auslotet.

Christoph Schneeberger tanzte unter verschiedenen Namen auf vielen Hochzeiten. Die über Jahre an den Morgen danach entstandenen Texte aus dem Untergrund der Raves, aus dem Leben als politischer Aktivist und Drag Queen flossen in seinen ersten Roman «Neon Pink & Blue» ein. Er hat das Literaturinstitut in Biel und Contemporary Arts Practice in Bern abgeschlossen. Christoph Schneeberger wird aufgrund seines entpuppenden, flirrend eigenständigen und traumtänzerischen Schreibens mit einem Weiterschreiben Stipendium ausgezeichnet.

Die Dramatikerin und Regisseurin Maria Ursprung untersucht in ihren Texten gesellschaftliche Anachronismen und festgefahrene Denkmuster. Sie schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Kurzprosa. Maria Ursprung arbeitet mit einer Sprache, die beim ersten Lesen das Gefühl erzeugt, es handele sich um einen alltäglichen Plauderstil, einem «parlando». Aber gerade diese vermeintliche Harmlosigkeit ist die eigentliche Stärke. Was die Autorin in ihren Stücken verhandelt, kriegt immer mehr Ungereimtheiten und Risse, steigert sich gar in Unheimlichkeiten.

Die edition taberna kritika (etkbooks) wurde 2007 von Hartmut Abendschein gegründet. Sie publiziert jährlich fünf Bücher, aber auch open-access-Titel in digitalen Reihen. Das konsequent durchgeführte Verlagskonzept achtet auf ein serielles Erscheinungsbild und beschäftigt sich mit experimentellen, konzeptuellen und visuellen Textformen und Literaturen der Ränder. Die edition taberna kritika wird für ihr äusserst vielseitiges, erfrischend konzeptionelles sowie ästhetisch-kritisches Engagement um das Berner Literaturschaffen mit dem Spezialpreis Vermittlung geehrt.

Sofern es die Situation erlaubt, findet die öffentliche Preisfeier am Mittwoch, 25. November 2020, um 19.30 Uhr in der Aula des PROGR Bern statt (Eintritt frei, Platzzahl beschränkt, Anmeldung erforderlich auf www.bern.ch/themen/kultur/weiterschreiben).