Mannhart, Urs: Unterschied zwischen den Versionen
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<!--schweizbezogen-->'''Urs Mannhart''' (* 19. August 1975 in Rohrbach) ist ein deutschschweizerischer | <!--schweizbezogen-->'''Urs Mannhart''' (* 19. August 1975 in Rohrbach) ist ein deutschschweizerischer Schriftsteller, Bio-Landwirt und ''Ultra Cyclist''. | ||
== Leben und Wirken == | == Leben und Wirken == | ||
Urs Mannhart | Urs Mannhart hat Zivildienst geleistet bei Großraubwildbiologen und Drogenkranken, hat nach fünf Semestern ein Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie abgebrochen, hat während zehn Jahren in Bern als Velokurier gearbeitet. Er hat sich engagiert als Nachtwächter in einem Asylzentrum, als Abdichter auf Baustellen; 2018 ließ er sich zum Bio-Landwirt diplomieren. Für sein literarisches Werk erhielt er diverse Stipendien und Preise, darunter den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis 2017. Im selben Jahr war er zum Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt eingeladen; sein Text erreichte die Shortlist. | ||
Als Schriftsteller erregte er Aufsehen mit seinem 2004 erschienenen Debütroman «luchs»<ref>[http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2004/nr44/Kultur/10745.html ''Bergroman ohne Mief''] Artikel von Veronika Rall in der ''WOZ'' vom 28. Oktober 2004</ref>; das Buch wurde zum Bestseller und liegt mittlerweile in vierter Auflage vor. Das Thema seines ersten Romans entstand aufgrund seines Zivildiensteinsatzes beim Schweizer Luchs-Wiederansiedlungsprojekt „KORA“. Mannhart schildert in seinem «Umweltkrimi» den Kleinkrieg zwischen «engstirnigen» Bergbauern und «verwissenschaftlichten» Grossraubwild-Biologen bei einem Luchsaussiedlungsprojekt im Berner Oberland, ergänzt und verflochten mit Landschaftsbeschreibungen und Faktenberichten. | Als Schriftsteller erregte er Aufsehen mit seinem 2004 erschienenen Debütroman «luchs»<ref>[http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2004/nr44/Kultur/10745.html ''Bergroman ohne Mief''] Artikel von Veronika Rall in der ''WOZ'' vom 28. Oktober 2004</ref>; das Buch wurde zum Bestseller und liegt mittlerweile in vierter Auflage vor. Das Thema seines ersten Romans entstand aufgrund seines Zivildiensteinsatzes beim Schweizer Luchs-Wiederansiedlungsprojekt „KORA“. Mannhart schildert in seinem «Umweltkrimi» den Kleinkrieg zwischen «engstirnigen» Bergbauern und «verwissenschaftlichten» Grossraubwild-Biologen bei einem Luchsaussiedlungsprojekt im Berner Oberland, ergänzt und verflochten mit Landschaftsbeschreibungen und Faktenberichten. | ||
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Im August 2008 erschien die ''Kuriernovelle oder Der heimlich noch zu überbringende Schlüsselbund der Antonia Settembrini''; eine Novelle, in der die abenteuerliche erste Schicht eines Velokuriers geschildert wird. Dieser Text ist Teil des ''Velokurierbuchs'', das anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Genossenschaft Velokurier Bern herausgegeben wurde. | Im August 2008 erschien die ''Kuriernovelle oder Der heimlich noch zu überbringende Schlüsselbund der Antonia Settembrini''; eine Novelle, in der die abenteuerliche erste Schicht eines Velokuriers geschildert wird. Dieser Text ist Teil des ''Velokurierbuchs'', das anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Genossenschaft Velokurier Bern herausgegeben wurde. | ||
Im Frühjahr 2014 erschien sein Roman ''Bergsteigen im Flachland''.<ref name="NZZ1">Roman Bucheli: [http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/im-falschen-leben-1.18323285 ''Urs Mannharts Roman «Bergsteigen im Flachland». Im falschen Leben.''] In: Neue Zürcher Zeitung vom 17. Juni 2014</ref> Mannhart wurde vorgeworfen, dass er für sein Buch mehrere Reportagen von Thomas Brunnsteiner verwendet hatte, die zwischen 2000 und 2006 unter anderem in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht wurden und 2007 in dem Band ''Bis ins Eismeer'' erschienen sind. Mannhart räumte ein, dass er Reportagen verwertet und zitiert hat, ohne die Quelle angemessen zu nennen.<ref name:"NZZ2">Roman Bucheli: [http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/piraterie-als-liebesdienst-1.18355014 ''Vorwürfe gegen Urs Mannharts Roman. Piraterie als Liebesdienst.''] In: Neue Zürcher Zeitung vom 2. August 2014</ref> | Im Frühjahr 2014 erschien sein Roman ''Bergsteigen im Flachland''.<ref name="NZZ1">Roman Bucheli: [http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/im-falschen-leben-1.18323285 ''Urs Mannharts Roman «Bergsteigen im Flachland». Im falschen Leben.''] In: Neue Zürcher Zeitung vom 17. Juni 2014</ref> Mannhart wurde vorgeworfen, dass er für sein Buch mehrere Reportagen von Thomas Brunnsteiner verwendet hatte, die zwischen 2000 und 2006 unter anderem in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht wurden und 2007 in dem Band ''Bis ins Eismeer'' erschienen sind. Mannhart räumte ein, dass er Reportagen verwertet und zitiert hat, ohne die Quelle angemessen zu nennen.<ref name:"NZZ2">Roman Bucheli: [http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/piraterie-als-liebesdienst-1.18355014 ''Vorwürfe gegen Urs Mannharts Roman. Piraterie als Liebesdienst.''] In: Neue Zürcher Zeitung vom 2. August 2014</ref> Eine andere Sicht auf den Roman und seine mediale Wahrnehmung entwarf der Literaturkritiker Michael Widerstein in der Zeitschrift "literarischer Monat".<ref>Michael Widerstein: https://literarischermonat.ch/causa-mannhart/#</ref> | ||
Urs Mannhart | |||
Im Herbst 2021 veröffentlichte Mannhart den Roman "''Gschwind oder Das mutmaßlich zweckfreie Zirpen der Grillen''". Pascal Gschwind, die Hauptfigur dieses Romans, arbeitet für die Kommunikationsabteilung eines global tätigen Rohstoffkonzerns. Als am Thunersee unerwartet ein Selten-Erde-Metall gefunden wird, das bei der Herstellung von Akkus essenziell geworden ist, verwandelt sich Gschwind zu einem Mann mit einer Mission. Wie schon beim Roman "''Luchs''" verhandelt auch dieser Text Umwelt-Themen; hier steht indes die Frage im Vordergrund, welche ökologischen Konsequenzen eine profitorientierte Wirtschaft mit sich bringt. | |||
===== Arbeit in der Landwirtschaft ===== | |||
Nach einem Aufenthaltsstipendium in Paris begann Urs Mannhart im Herbst 2016 mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung, die er im Herbst 2018 als diplomierter Bio-Landwirt abschloss. Von 2018 bis 2024 arbeitete Mannhart teilzeitlich auf verschiedenen Bauernhöfen im Kanton Bern; literarisches Resultat dieser Beschäftigung ist der Essay "''Lentille. Aus dem Leben einer Kuh''", erschienen 2022 im Verlag Matthes&Seitz Berlin. | |||
Dieser Essay, halb Wissenschaftsrecherche, halb Reportage, kann als Beitrag zur Tierethik und zur Tierphilosophie gelesen werden, behält aber eine erzählerische Nähe zu einer kleinen, im Jura lebenden Kuhherde und zu der freundschaftlichen Beziehung Mannharts zu einer Kuh namens Lentille. Der Essay wirft unter anderem die Frage auf, was es heisst, wenn wir Nutztieren eine Persönlichkeit zugestehen.<ref>https://www.nzz.ch/feuilleton/urs-mannhart-ueber-sein-leben-als-bauer-die-kuehe-den-wolf-ld.1698356</ref> <ref>https://www.nzz.ch/feuilleton/bauern-und-proteste-urs-mannhart-schreibt-warum-er-gerne-landwirt-ist-ld.1773949</ref> | |||
===== Literarischer Journalismus ===== | |||
Als Reisender und Reporter betreibt Urs Mannhart seit 2004 ''slow journalism''; seine literarischen Reportagen, seit 2012 meist veröffentlicht in der Zeitschrift "Reportagen", berichten unter anderem aus der Ukraine, aus Russland, Kirgistan, Transnistrien, China, Kenia, Ghana und Indien. Zahlreiche seiner journalistischen Arbeiten entstanden zusammen mit dem Berner Fotografen Beat Schweizer und der ukrainischen Übersetzerin Jelena Illinowa. | |||
Seit 2023 betreibt Mannhart zudem "''ultra cycling''" und nimmt an langen Bikepacking-Rennen teil, im Jahr 2025 zum Beispiel an dem im Balkan ausgetragenen "''The Accursed Race''", welches 1600 Kilometer umfasst. | |||
Nachdem er lange Jahre in Bern wohnhaft war, zog er Ende 2021 nach La Chaux-de-Fonds. | |||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
<references/> | <references/> | ||
== Auszeichnungen == | == Auszeichnungen und Förderpreise == | ||
* [http://www.bern.ch/stadtverwaltung/prd/kultur/foerderung «Weiterschreiben», Stadt Bern] 2007 | * [http://www.bern.ch/stadtverwaltung/prd/kultur/foerderung «Weiterschreiben», Stadt Bern] 2007 | ||
* Prix Trouvaille, Kanton Bern 2011 (mit Ernst Schär) für die Mappe ''Halm oder die Verlängerung des Abends in die Gräser hinein'' | * Prix Trouvaille, Kanton Bern 2011 (mit Ernst Schär) für die Mappe ''Halm oder die Verlängerung des Abends in die Gräser hinein'' | ||
* 2011 HALMA-Aufenthaltsstipendium in Jyväskylä, Finnland, und in Minsk, Weissrussland. | |||
* 2012 Aufenthaltsstipendium der Stiftung Bartels Fondation zum kleinen Marktgräflerhof, Basel | |||
* 2012 Die Reportage «Gazprom heizt ein» wird nominiert für den N-OST-Reportagepreis | |||
* 2013 Werkbeitrag von Stadt und Kanton Bern für «Bergsteigen im Flachland» | |||
* 2016 Paris-Stipendium des Kantons Bern | |||
* 2016 Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis für "Bergsteigen im Flachland" | |||
* 2017 Shortlist zum Ingeborg Bachmann-Preis in Klagenfurt mit «Ein Bier im Banja» | |||
* 2017 Kulturpreis der Stadt Langenthal | |||
* 2018 Shortlist n-ost Reportagepreis mit "Von Männern und Wölfen" | |||
* 2020 Förderpreis "Weiterschreiben" der Stadt Bern | |||
* 2021 Aufenthaltsstipendium im Stuttgarter Schriftstellerhaus | |||
* 2023 Werkbeitrag Landis & Gyr | |||
* 2023 Recherche-Stipendium Pro Helvetia | |||
* 2025 Kreationsbeitrag Pro Helvetia | |||
== Werke == | == Werke == | ||
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* ''Kuriernovelle oder Der heimlich noch zu überbringende Schlüsselbund der Antonia Settembrini''. In: Velokurierbuch. Eigenart, Bern 2008, ISBN 978-3-909990-21-4 | * ''Kuriernovelle oder Der heimlich noch zu überbringende Schlüsselbund der Antonia Settembrini''. In: Velokurierbuch. Eigenart, Bern 2008, ISBN 978-3-909990-21-4 | ||
* ''Bergsteigen im Flachland.'' Secession, Zürich 2014, ISBN 978-3-905951-32-5 | * ''Bergsteigen im Flachland.'' Secession, Zürich 2014, ISBN 978-3-905951-32-5 | ||
* ''Gschwind oder Das mutmasslich zweckfreie Zirpen der Grillen.'' Secession, Zürich 2021, ISBN 978-3-96639-039-2 | |||
* ''Lentille. Aus dem Leben einer Kuh.'' Matthes & Seitz, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-0809-5 | |||
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== Weblinks == | == Weblinks == | ||
* [http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=10409&ausgabe=200702 Der Schraubstock der Heimat] Über Urs Mannharts Heimat-Romane. Rezension von Fabian Kettner bei literaturkritik.de | * [http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=10409&ausgabe=200702 Der Schraubstock der Heimat] Über Urs Mannharts Heimat-Romane. Rezension von Fabian Kettner bei literaturkritik.de | ||
* Mannhart, Urs im Lexikon der Autorinnen und Autoren der Schweiz [https://lexikon.a-d-s.ch/Person/22511 AAdS] | |||
* Homepage von Urs Mannhart [https://ursmannhart.com/] | |||
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Aktuelle Version vom 26. Juli 2025, 16:40 Uhr
Urs Mannhart (* 19. August 1975 in Rohrbach) ist ein deutschschweizerischer Schriftsteller, Bio-Landwirt und Ultra Cyclist.
Leben und Wirken
Urs Mannhart hat Zivildienst geleistet bei Großraubwildbiologen und Drogenkranken, hat nach fünf Semestern ein Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie abgebrochen, hat während zehn Jahren in Bern als Velokurier gearbeitet. Er hat sich engagiert als Nachtwächter in einem Asylzentrum, als Abdichter auf Baustellen; 2018 ließ er sich zum Bio-Landwirt diplomieren. Für sein literarisches Werk erhielt er diverse Stipendien und Preise, darunter den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis 2017. Im selben Jahr war er zum Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt eingeladen; sein Text erreichte die Shortlist.
Als Schriftsteller erregte er Aufsehen mit seinem 2004 erschienenen Debütroman «luchs»[1]; das Buch wurde zum Bestseller und liegt mittlerweile in vierter Auflage vor. Das Thema seines ersten Romans entstand aufgrund seines Zivildiensteinsatzes beim Schweizer Luchs-Wiederansiedlungsprojekt „KORA“. Mannhart schildert in seinem «Umweltkrimi» den Kleinkrieg zwischen «engstirnigen» Bergbauern und «verwissenschaftlichten» Grossraubwild-Biologen bei einem Luchsaussiedlungsprojekt im Berner Oberland, ergänzt und verflochten mit Landschaftsbeschreibungen und Faktenberichten.
Mannhart wurde 2006 von dem Literarischen Colloquium Berlin (LCB) mit einem Aufenthaltsstipendium ausgezeichnet, das auch von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia gefördert wurde.[2]
2006 erschien Mannharts zweiter Roman, Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola, für den er 2007 mit dem Buchpreis des Kantons Bern ausgezeichnet wurde.[3]
Im November 2007 erhielt er gemeinsam mit der Autorin Verena Stefan als erster den von der Stadt Bern neu geschaffenen «Weiterschreiben»-Beitrag für Literatur, der den Autorinnen und Autoren eine längere Arbeit an einem literarischen Werk ermöglichen soll. Der mit je 25.000 Franken dotierte Preis wurde Anfang 2008 übergeben.[4]
Im August 2008 erschien die Kuriernovelle oder Der heimlich noch zu überbringende Schlüsselbund der Antonia Settembrini; eine Novelle, in der die abenteuerliche erste Schicht eines Velokuriers geschildert wird. Dieser Text ist Teil des Velokurierbuchs, das anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Genossenschaft Velokurier Bern herausgegeben wurde.
Im Frühjahr 2014 erschien sein Roman Bergsteigen im Flachland.[5] Mannhart wurde vorgeworfen, dass er für sein Buch mehrere Reportagen von Thomas Brunnsteiner verwendet hatte, die zwischen 2000 und 2006 unter anderem in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht wurden und 2007 in dem Band Bis ins Eismeer erschienen sind. Mannhart räumte ein, dass er Reportagen verwertet und zitiert hat, ohne die Quelle angemessen zu nennen.[6] Eine andere Sicht auf den Roman und seine mediale Wahrnehmung entwarf der Literaturkritiker Michael Widerstein in der Zeitschrift "literarischer Monat".[7]
Im Herbst 2021 veröffentlichte Mannhart den Roman "Gschwind oder Das mutmaßlich zweckfreie Zirpen der Grillen". Pascal Gschwind, die Hauptfigur dieses Romans, arbeitet für die Kommunikationsabteilung eines global tätigen Rohstoffkonzerns. Als am Thunersee unerwartet ein Selten-Erde-Metall gefunden wird, das bei der Herstellung von Akkus essenziell geworden ist, verwandelt sich Gschwind zu einem Mann mit einer Mission. Wie schon beim Roman "Luchs" verhandelt auch dieser Text Umwelt-Themen; hier steht indes die Frage im Vordergrund, welche ökologischen Konsequenzen eine profitorientierte Wirtschaft mit sich bringt.
Arbeit in der Landwirtschaft
Nach einem Aufenthaltsstipendium in Paris begann Urs Mannhart im Herbst 2016 mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung, die er im Herbst 2018 als diplomierter Bio-Landwirt abschloss. Von 2018 bis 2024 arbeitete Mannhart teilzeitlich auf verschiedenen Bauernhöfen im Kanton Bern; literarisches Resultat dieser Beschäftigung ist der Essay "Lentille. Aus dem Leben einer Kuh", erschienen 2022 im Verlag Matthes&Seitz Berlin. Dieser Essay, halb Wissenschaftsrecherche, halb Reportage, kann als Beitrag zur Tierethik und zur Tierphilosophie gelesen werden, behält aber eine erzählerische Nähe zu einer kleinen, im Jura lebenden Kuhherde und zu der freundschaftlichen Beziehung Mannharts zu einer Kuh namens Lentille. Der Essay wirft unter anderem die Frage auf, was es heisst, wenn wir Nutztieren eine Persönlichkeit zugestehen.[8] [9]
Literarischer Journalismus
Als Reisender und Reporter betreibt Urs Mannhart seit 2004 slow journalism; seine literarischen Reportagen, seit 2012 meist veröffentlicht in der Zeitschrift "Reportagen", berichten unter anderem aus der Ukraine, aus Russland, Kirgistan, Transnistrien, China, Kenia, Ghana und Indien. Zahlreiche seiner journalistischen Arbeiten entstanden zusammen mit dem Berner Fotografen Beat Schweizer und der ukrainischen Übersetzerin Jelena Illinowa.
Seit 2023 betreibt Mannhart zudem "ultra cycling" und nimmt an langen Bikepacking-Rennen teil, im Jahr 2025 zum Beispiel an dem im Balkan ausgetragenen "The Accursed Race", welches 1600 Kilometer umfasst.
Nachdem er lange Jahre in Bern wohnhaft war, zog er Ende 2021 nach La Chaux-de-Fonds.
Einzelnachweise
- ↑ Bergroman ohne Mief Artikel von Veronika Rall in der WOZ vom 28. Oktober 2004
- ↑ Autoren und Übersetzer im Haus 2006. Aufenthaltsstipendiaten des Literarischen Colloquium Berlin (LCB)
- ↑ Buchpreise des Kantons Bern: Deutschsprachige PreisträgerInnen seit 1995 Auflistung der Kulturförderung des Kantons Bern (als PDF-Datei)
- ↑ Verena Stefan und Urs Mannhart erhalten Literatur-Beitrag Online-Artikel der Espace Media Groupe vom 6. November 2007
- ↑ Roman Bucheli: Urs Mannharts Roman «Bergsteigen im Flachland». Im falschen Leben. In: Neue Zürcher Zeitung vom 17. Juni 2014
- ↑ Roman Bucheli: Vorwürfe gegen Urs Mannharts Roman. Piraterie als Liebesdienst. In: Neue Zürcher Zeitung vom 2. August 2014
- ↑ Michael Widerstein: https://literarischermonat.ch/causa-mannhart/#
- ↑ https://www.nzz.ch/feuilleton/urs-mannhart-ueber-sein-leben-als-bauer-die-kuehe-den-wolf-ld.1698356
- ↑ https://www.nzz.ch/feuilleton/bauern-und-proteste-urs-mannhart-schreibt-warum-er-gerne-landwirt-ist-ld.1773949
Auszeichnungen und Förderpreise
- «Weiterschreiben», Stadt Bern 2007
- Prix Trouvaille, Kanton Bern 2011 (mit Ernst Schär) für die Mappe Halm oder die Verlängerung des Abends in die Gräser hinein
- 2011 HALMA-Aufenthaltsstipendium in Jyväskylä, Finnland, und in Minsk, Weissrussland.
- 2012 Aufenthaltsstipendium der Stiftung Bartels Fondation zum kleinen Marktgräflerhof, Basel
- 2012 Die Reportage «Gazprom heizt ein» wird nominiert für den N-OST-Reportagepreis
- 2013 Werkbeitrag von Stadt und Kanton Bern für «Bergsteigen im Flachland»
- 2016 Paris-Stipendium des Kantons Bern
- 2016 Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis für "Bergsteigen im Flachland"
- 2017 Shortlist zum Ingeborg Bachmann-Preis in Klagenfurt mit «Ein Bier im Banja»
- 2017 Kulturpreis der Stadt Langenthal
- 2018 Shortlist n-ost Reportagepreis mit "Von Männern und Wölfen"
- 2020 Förderpreis "Weiterschreiben" der Stadt Bern
- 2021 Aufenthaltsstipendium im Stuttgarter Schriftstellerhaus
- 2023 Werkbeitrag Landis & Gyr
- 2023 Recherche-Stipendium Pro Helvetia
- 2025 Kreationsbeitrag Pro Helvetia
Werke
Romane und andere Prosa
- Luchs. Bilger, Zürich 2004 (3. Auflage 2005), ISBN 3-908010-70-5
- Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola. Bilger, Zürich 2006, ISBN 3-908010-82-9
- Kuriernovelle oder Der heimlich noch zu überbringende Schlüsselbund der Antonia Settembrini. In: Velokurierbuch. Eigenart, Bern 2008, ISBN 978-3-909990-21-4
- Bergsteigen im Flachland. Secession, Zürich 2014, ISBN 978-3-905951-32-5
- Gschwind oder Das mutmasslich zweckfreie Zirpen der Grillen. Secession, Zürich 2021, ISBN 978-3-96639-039-2
- Lentille. Aus dem Leben einer Kuh. Matthes & Seitz, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-0809-5
Literatur
- Butterbrotpapier Zur Verleihung des Buchpreises 2007 des Kantons Bern „über die Ehre und Verwirrung, 10.000 Franken zu bekommen“, Der Bund vom 12. Juni 2007
Weblinks
- Der Schraubstock der Heimat Über Urs Mannharts Heimat-Romane. Rezension von Fabian Kettner bei literaturkritik.de
- Mannhart, Urs im Lexikon der Autorinnen und Autoren der Schweiz AAdS
- Homepage von Urs Mannhart [1]
Bestände UB Bern
- Autorenhomepage von Urs Mannhart (NB, wenn Kategorie = Webarchiv)
Quellen
Dieser Text entstand auf Grundlage der Freien Enzyklopädie Wikipedia und wurde am 20.02.2011 hier eingestellt. Der Originaltext wurde unter der GNU Free Documentation License und der Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) veröffentlicht. (Originalversion in der Wikipedia)
Aktualisiert: 11.07.2025